Fürs eigene Leben viel „abgeguckt“
Diplompädagogin Ilka Behr verabschiedet sich nach 11 Jahren
Stillsitzen ist nicht ihr Ding: Dazu hat die 63jährige Diplom-Pädagogin Ilka Behr viel zu viele Aufgaben und Ideen im Kopf. z.B. welches aktuelle Thema kann in der „Teestunde“ mit den Bewohnern behandelt werden? Wohin geht der kommende Ausflug - ins Grüne oder in die Kultur? Welcher Bewohner benötigt momentan besondere Hilfestellung? Und auch die Organisation des Sommerfestes steht schon wieder vor der Tür. Seit 11 Jahren war Ilka Behr im Wohnpark als stellvertretende Leiterin der Sozio-kulturellen Abteilung tätig. Hier wird das gesamte kulturelle Angebot auf die Beine gestellt – vom philosophischen Vortrag bis hin zum Gedächtnistraining.
Alter auf neue Art und Weise erleben
Wichtig ist, dass die Bewohner aktiv eingebunden werden, betont Ilka Behr. Schließlich sollten die „Neubewohner“ sich mit Freude in ein anderes „Lebenssystem“ einfinden können. So sei ein Neueinzug stets Abschied und Neubeginn zugleich, erzählt sie aus ihrer langen Berufserfahrung, die auch 20 Jahre bei der Ehe- und Familienberatung umfasste. Die Pädagogin, die durch ihr offenes Lachen besticht, hilft auch bei neuen Kontakten. Im Sinn hat sie dabei „die Isolation aufzubrechen“, die manche Bewohner mitbrächten. Wer von zuhause viel Alleinsein erlebt habe, erhalte im Wohnpark die große Chance „noch mal mitzugestalten und das Alter auf neue Art und Weise zu erleben“. Vor allem auch „neue Freunde finden und damit eine neue Lebensqualität“, zählt die geborene Rheingauerin auf. Auch für das eigene Altwerden habe sie viel mitgenommen, so Behr. Wie viele der alten Menschen ihr Leben meistern, das besitze „Vorbildcharakter“.
Die Teestunde
Wer denkt, dass in der „Teestunde“ nur das Heißgetränk getrunken und „gebabbelt“ wird, liegt falsch. Ilka Behr bringt aktuelle und hintergründige Themen auf den Tisch. Dazu wird in der Runde gleichermaßen um das derzeitige Politikgeschehen wie über Gesellschaft oder Literatur diskutiert.
Auch der Blick auf die Vergangenheit ist für viele wichtig, weiß Behr. „Die Kriegserlebnisse, das Mangelgefühl in Bezug auf Nahrung und Wohnen, der Verlust von Angehörigen“ sei immer mal Thema der gemeinsamen Gesprächsrunden. Und wenn’s zu laut wird, muss bisweilen durch Klingelläuten an gegenseitiges Zuhören erinnert werden, schmunzelt sie.
Gleich zu Anfang ihrer „nachberuflichen“ Zeit will die Mutter von zwei erwachsenen Kindern mit ihrem Mann zu einer längeren Reise starten. Zu fremden Ländern und Kulturen, den „gewohnten Alltag durchbrechen“, denn „Leben bedeute auch Veränderung“ sagt die Scheidende und man spürt erneut: Stillsitzen ist wirklich nicht ihr Ding.