Schule damals

Von Schülern “gekrönt“: Else Gottwald hat viele schöne Erinnerungen an ihre Zeit als Lehrerin.

Gespräch mit einer heute 84jährigen ehemaligen Lehrerin

Frau Else Gottwald, geb. 1925, war 25 Jahre lang als Lehrerin tätig. 2007 zog sie aus Aachen mit ihrem Mann in den Wohnpark Kranichstein in Darmstadt, in die Nähe ihrer Tochter, die in Kranichstein lebt.

Frau Else Gottwald: „Lehrer, Eltern und auch Schüler klagen heute über Überforderung. Was raten Sie ihnen“?

Leider schieben heute viele Eltern den Lehrern häufig die Schuld zu, wenn es Probleme in der Schule gibt.. Sie vergessen, dass es auch normal ist, dass Kinder und Jugendliche Probleme haben – es kann eine Entwicklungsphase sein, wo sie wachsen, aber das nicht unbedingt an den Noten ablesbar ist. Alle sollten mehr zusammenarbeiten! Die Lehrkraft kann den Eltern wertvolle Tipps aus ihrer Beobachtung geben und umgekehrt. Denn viele Eltern können sich gar nicht vorstellen, dass sich ihr Kind in der Schüle völlig anders verhält als zuhause und sind dann alarmiert und finden das Kind ungerecht behandelt oder ungenügend gefördert. 

Als junges „Fräulein“ (so wurden Lehrerinnen genannt) im Jahr 1946 mit Schülern der 2. Klasse.

„Haben Sie da ein Beispiel aus ihrer Praxis“?

In meiner Unterrichtsklasse war ein auffälliger Schüler, der provozierte mich, indem er stehenblieb als alle anderen sich zu Unterrichtsbeginn hinsetzten. Ich sagte freundlich: „Ach willste gucken, ob auch alle sitzen? Das finde ich gut, so kannste mir bei meiner Arbeit helfen!“ Von diesem Zeitpunkt an hörte sein provozierendes Verhalten auf und ich dachte im Nachhinein, dass er einfach Aufmerksamkeit und Lob wollte und natürlich nicht Schimpfe, wie man es ja auf den ersten Blick deuten könnte.

„Wenn Sie gestern und heute vergleichen, was fanden Sie damals positiv“?

Wir hatten damals einen Kachelofen in jedem Schulzimmer und gingen mit den größeren Jungen morgens raus, um Holz dafür zu hacken. Das schaffte Zusammenhalt – wenn die einen was für die anderen taten. Auch der Respekt vor Lehrpersonen war ein anderer. So war es möglich, dass trotz 56 Schüler verschiedenen Alters Ruhe zum Unterrichten in der Klasse war. Als Klassenlehrerin gab man alle Fächer, das heißt man hatte sehr viel Kontakt zu den Schülern und kannte ihre Stärken und Schwächen bei den Leistungen, da konnte man einiges ausgleichen. In Mathematik übte ich unbeirrbar jede Stunde am Anfang 10 Minuten Kopfrechnen, das saß dann irgendwann bei allen im Schlaf. Das Fach Textilkunde gibt es heute nicht mehr, obwohl ich finde, dass das die Kreativität fördert. Nun ja, das lag natürlich auch daran, dass man früher vieles selbst anfertigen musste – aber so entstanden z. B. ganze Puppenwelten aus einem einfachen Pappkarton!

Immer zum Scherzen aufgelegt ... als Polizistin verkleidet beim diesjährigen Karneval

„Erzählen Sie uns noch eine schöne Anekdote“?

Die Schüler wählten jedes Jahr eine besonders beliebte Lehrerin zur „Schulkönigin“. Eines Tages wurde ich „gekrönt“ – und zwar durch einen rosa „Pinkeltopf“ mit Blümchen, den ich unter herzlichem Gelächter aufsetzte. Noch heute habe ich einen guten Kontakt zu vielen ehemaligen Schülerinnen und Schülern und wurde noch in 2007 zum Klassentreffen mit den „Jungs und Mädchen“ eingeladen – wir kennen uns seit fast 65 Jahren!

« zurück