Senioren machen Zeitung

Redaktionsmitglieder bei der Arbeit: Von links, Liselotte Pfäffle, Else Gottwald, Günther Freyschmidt. Dahinter Ruth-Maria Schwieder und Stefan Feric.

Bewohner berichten über Neuigkeiten und Interessantes in der Wohnpark Rundschau

Es war das Jahr 2005 als man mit Gleichgesinnten eine Ausstellung des Malers Max Beckmann in Baden-Baden besuchte. „Darüber müsste man mal etwas für die anderen schreiben“, resümiert Günther Freyschmidt (79) seine Gedanken zu der beeindruckenden Bilder-Schau: Sein Engagement führte ihn direkt ins Redaktionsteam der Wohnpark Rundschau, wo er für die Daheimgebliebenen lebhaft seine Eindrücke und Erlebnisse der Reise berichtete. Heute ist der ehemalige Bauingenieur immer noch bei dem mit Entstehung des Wohnparks 1995 ins Leben gerufenen Seniorenblattes. Seither erscheinen alle drei Monate aktuelle Geschichten rund um den Wohnpark; Interessantes und Kurzweiliges mit Fotos bestückt, Neuigkeiten und Poetisches, aber auch Witze und Rätsel sind hier zu finden. „Die Bewohner möchten in erster Linie etwas zur Freude der anderen machen“ fasst Stefan Feric, Leiter der sozial-kulturellen Abteilung zusammen, der das Redaktionsteam moderiert. Alle 14 Tage trifft man sich für die Publikation, die jeweils mit einer Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt wird. Verteilt wird die Wohnpark-Rundschau an alle 300 Bewohner, aber auch an viele externe Bezieher und Institutionen, die an dem abwechslungsreichen Blatt interessiert sind.
Zu Besuch beim Darmstädter Radiosender "Radio Radar" im April 2009 (Interview Meinhard Dausin)

Überschrift macht die Leser neugierig

Viele können für ihre Arbeit auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurück blicken, berichtet Stefan Feric. So besitzt die 91jährige Maria Schwieder, die durch den Beruf des Vaters in vielen Städten Europas aufgewachsen ist, eine eindrucksvolle Aufgeschlossenheit für viele Themen „Ich musste immer mit neuen Menschen auskommen“ erzählt die in Berlin geborene, die unter anderem die Rubik „Det fiel uns uff“ betreut: Hier beobachtet sie schmunzelnd-mahnend Eigenarten ihrer Mitbewohner, wie beispielsweise das unordentlich hinterlassene Lesezimmer nach einem Kartenspielabend, verteilt aber auch viel Lob etwa über hilfsbereite Mitarbeiter. 
Philosophisch anregende Berichte sind beliebt, erzählt Else Gottwald, seit 2 Jahren begeistert dabei. Für die 1925 geborene ehemalige Lehrerin war das Schreiben eine Art Therapie um den Umzug in den Wohnpark, der zwar in die unmittelbare Nähe der Tochter führte, aber doch ein neuer Lebensabschnitt war, zu bewältigen. „Die Überschrift gestalte ich immer so, dass sie die Leser neugierig macht“, beschreibt sie lachend ihre Strategie, die Leserschaft „einzufangen“ – denn wer will nicht wissen, was sich hinter dem Titel „Papageienflirt“ in der kommenden Ausgabe verbirgt?

Das Haus lebendig halten

Vielfältige Interessen charakterisieren die Autorinnen und Autoren: So ist Geschichte und Wissenschaft das „Steckenpferd“ von Rolf Strohecker (84), der auch Mitglied im Kammersinfonieorchester Darmstadt ist und sich ehrenamtlich für den Heimbeirat engagiert. Seine gründlich recherchierten Artikel informieren etwa über die Honiggewinnung, die Geschichte der Mathematik oder auch zu historischen Darmstädter Persönlichkeiten.
Seit Jahren dabei ist auch Liselotte Pfäffle. „Gutes Beobachtungsvermögen“ attestieren ihr die Redaktionskolleginnen und – kollegen einstimmig. Das schlägt sich in den lebendig und humorvollen Berichten über das Leben im Wohnpark und die Festlichkeiten zu Karneval, Sylvester oder Weihnachten nieder. „Jeder soll die Möglichkeit haben, etwas zu erfahren, auch wenn er nicht dabei war“ fasst Else Gottwald zusammen. Schließlich machen die Beziehungen untereinander das Leben lebenswert und halten das Haus lebendig“ findet die ehemalige Lehrerin und sprudelt bereits vor kreativen Ideen für die kommenden Ausgaben.

Hier können Sie das Interview anhören:

« zurück