Lesen – eine Leidenschaft für jedes Alter!

Kümmern sich um den Lesestoff für die Bewohner des Wohnparks: Ruth-Maria Schwieder, Margarete Bärenfänger und Sigrid Degreif (v. links nach rechts).

„Mit dem Zurück geben kann man sich getrost Zeit lassen“, formuliert Margarete Bärenfänger, eine der neun Seniorinnen, die lesebegeisterte Bewohner des Wohnparks mit interessantem Lesestoff versorgen. Immer Dienstags und Freitags stehen die umfangreichen Bestände – mittlerweile über 1000 Bücher - der im Haus befindlichen Bibliothek zur Ausleihe bereit. Drumherum ist auf jeden Fall eine Menge zu tun. Entscheidend dabei ist, dass die Betreiberinnen die Werke selbst gelesen haben und mit viel Einfühlungsvermögen ihre „Kundinnen“ und „Kunden“ beraten können. „Bei Neuanschaffungen überlegen wir genau, wer welche Vorlieben hat, denn „Regalhüter“ können wir natürlich nicht gebrauchen“, weiß Ruth-Maria Schwieder (90) selbst Vielleserin, aus Erfahrung. So können die Besucher der Bibliothek sich gezielt Literatur zum Interessensgebiet holen oder in der gemütlichen Sitzecke des Raumes erst mal in Ruhe im Leihwerk schmökern. Beliebt sind nach Aussage der ehrenamtlichen Bibliotheksbetreuerinnen vor allem Biografien über Personen der Zeitgeschichte, Politische Bücher über das aktuelle Weltgeschehen sowie historische Romane. Von Peter Hahne über Thomas Mann bis zur Lebensgeschichte von Carola Stern spannt die 77jährige Margarete Bärenfänger spontan den inhaltlichen Bogen. Selbstverständlich umfasst das Repertoire auch die altbekannten Klassiker wie Goethe, Schiller oder Kleist.

Einmal im Jahr wird dennoch aussortiert: Jeweils zum Sommerfest und am Weihnachtsbasar finden dann kaum nachgefragte oder einfach überholte, ältere Bücher neue Lese-Liebhaber oder Sammler, die nach alten Fotos oder Geschichten suchen. Der Erlös des Verkaufs fließt in den Erwerb neuer Bücher. „Ein Kriterium ist auch, dass mit zunehmenden Alter die kleingedruckte Schrift mühselig zu lesen ist. „So achten wir bei Neuanschaffungen immer auf den Großdruck“ berichtet Sigrid Degreif (82), die auch aktiv dabei ist und weist darauf hin, dass die Bücher stets im leichteren Paperback gekauft werden – weil diese beim Lesen nicht so kraftaufwändig zu halten sind. Hinzu kommt, dass die Leute keine Regale oder sonstigen Lagerplatz brauchen, wie das der Fall ist, wenn sie Bücher kaufen, ergänzt die seit 2004 ansässige Wohnpark-Bewohnerin die Vorteile der Bibliothek.
Solcher Service am Kunden wird natürlich gerne in Anspruch genommen. Und wenn es doch mal über alle Maßen länger dauern sollte, flattert natürlich keine schriftliche Mahnung mit Gebühren in den Briefkasten sondern „wir erinnern einfach beim Mittagstisch ganz locker an das Lesewerk“ erzählt Margarete Bärenfänger. „Die meisten haben es dann ganz einfach nur verlegt“ ergänzt die engagierte Bewohnerin lachend.

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